Beschwerden & Behandlung
Knorpelschäden brauchen eine präzise Ursache-Wirkung-Diagnostik
Bei Knorpelschäden entscheidet nicht nur der MRT-Befund. Wichtig sind Lage, Tiefe, Belastung, Achse, Meniskus, Bandstabilität und die Frage, welche Beschwerden wirklich vom Knorpel ausgehen.
Knorpelschaden im Knie: Beschwerden richtig einordnen
Knorpel schützt die Gelenkflächen im Knie und ermöglicht reibungsarme Bewegung. Wird dieser Gelenkknorpel verletzt oder über längere Zeit überlastet, kann ein Knorpelschaden entstehen. Typisch sind Belastungsschmerzen, Schwellung nach Aktivität, Reibegeräusche, Steifigkeit oder ein unsicheres Gefühl im Knie. Viele Betroffene bemerken die Beschwerden zunächst nur beim Sport, beim Treppensteigen oder nach längeren Gehstrecken. Später können auch alltägliche Belastungen schwieriger werden.
Gelenkknorpel besteht aus Knorpelzellen (Chondrozyten) und einer Grundsubstanz, die von diesen Zellen gebildet wird und für Elastizität und Haltbarkeit sorgt. Seine glatte Oberfläche verteilt den Druck gleichmäßig. Defekte können oberflächlich bleiben oder die gesamte Dicke des Knorpels betreffen: Oberflächliche Schäden verursachen meist keine oder nur geringe Schmerzen, tiefe Defekte dagegen starke Belastungsschmerzen, teils schon beim Spazierengehen oder Joggen. Liegt der Schaden hinter der Kniescheibe, treten die Beschwerden häufig beim Treppensteigen, Bergabgehen oder Knien auf.
In der Ordination in Graz lässt sich ein Knorpelschaden im Knie gezielt abklären. Auf die Diagnose folgt eine Knorpeltherapie, die zu Befund und Belastung passt.
Knorpel im Kniegelenk im Video erklärt
Warum Knorpelbeschwerden genau abgeklärt werden sollten
Ein Knorpelschaden ist selten nur ein isolierter Befund. Häufig spielen Meniskusverletzungen, Kreuzbandverletzungen, Achsfehlstellungen, Kniescheibenprobleme, Überlastung oder beginnende Arthrose eine Rolle. Entscheidend ist daher nicht nur, ob im MRT ein Knorpelschaden sichtbar ist, sondern warum er entstanden ist, wo er liegt und welche Belastung im Alltag oder Sport Beschwerden auslöst.
- Belastungsschmerzen im Knie
- Schwellung oder Reizung nach Sport
- Knirschen, Reiben oder Druckgefühl
- Schmerzen beim Treppensteigen oder Hocken
- Eingeschränkte Beweglichkeit
- Unsicherheit bei Richtungswechseln
- wiederkehrende Beschwerden nach Belastungssteigerung
Akuter Knorpelschaden oder schleichender Verschleiß?
Knorpelschäden können akut durch ein Trauma entstehen, etwa nach einer Verdrehung, Patellaluxation oder Kreuzbandverletzung. Sie können sich aber auch langsam entwickeln, wenn das Knie über Jahre ungünstig belastet wird. Die Unterscheidung ist wichtig, weil frische umschriebene Schäden anders behandelt werden können als flächige, degenerative Veränderungen bei Arthrose.
Schäden durch chronische Fehlbelastung entstehen meist über mehrere Jahre. Häufige Auslöser sind X- oder O-Beine, ein früherer Bruch im Bereich des Kniegelenks, Übergewicht oder eine Fehlbildung der Kniescheibe (Patelladysplasie). Sie führen zu einer ungleichmäßigen Belastung und überbeanspruchen den Gelenkknorpel. Werden Knorpeldefekte nicht ausreichend behandelt, droht eine frühzeitige Kniegelenksarthrose.
Diagnostik bei Knorpelschaden im Knie
Die fachärztliche Untersuchung analysiert Beweglichkeit, Schwellung, Beinachse, Kniescheibenführung, Stabilität und Schmerzlokalisation. Röntgenaufnahmen zeigen Achse, Gelenkspalt und mögliche arthrotische Veränderungen. Das MRT hilft, Knorpeldefekte, Knochenmarkreaktionen, Meniskus, Kreuzbänder und Begleitverletzungen einzuordnen. Erst die Kombination aus klinischer Untersuchung, Bildgebung und Belastungsprofil ergibt eine sinnvolle Therapieentscheidung.
Konservative Knorpeltherapie
Nicht jeder Knorpelschaden muss operiert werden. Häufig steht zunächst die konservative Behandlung im Vordergrund. Ziel ist, das Knie zu entlasten, Reizzustände zu reduzieren und die Gelenkführung zu verbessern. Dazu gehören gezielter Muskelaufbau, Koordinationstraining, Beweglichkeitsarbeit, Belastungssteuerung und gegebenenfalls Infiltrationen. Entscheidend ist ein langfristig umsetzbarer Plan, der Sport, Beruf und Alltag berücksichtigt.
Gelenkerhaltende und operative Optionen
Bei umschriebenen Knorpeldefekten, anhaltenden Beschwerden oder sportlichem Anspruch können gelenkerhaltende Verfahren sinnvoll sein. Welche Methode geeignet ist, hängt von Größe, Tiefe, Lage und Ursache des Schadens ab. Auch Achse, Meniskus, Bandstabilität und Kniescheibenführung müssen mitbeurteilt werden. Eine Knorpeltherapie ist nur dann sinnvoll, wenn das gesamte Knie biomechanisch passt.
Operative Verfahren bei Knorpelschäden im Überblick
- Mikrofrakturierung (Anbohrung): für kleinere Defekte bis etwa 2,5 cm². Der defekte Knorpel wird entfernt und der darunterliegende Knochen mit speziellen Instrumenten eröffnet. Über die entstehenden Knochenkanäle strömt Blut mit Stammzellen und Wachstumsfaktoren ein. Daraus bildet sich ein Faserersatzknorpel, der den Defekt auffüllt.
- Knorpel-Knochen-Transplantation (OATS®): Der Defekt wird ausgestanzt und mit einem körpereigenen Knorpel-Knochen-Zylinder aus einem wenig belasteten Gelenkanteil passgenau gefüllt. Das Verfahren eignet sich vor allem, wenn auch der Knochen unter dem Knorpel geschädigt ist, sowie bei Osteochondrosis dissecans.
- Arthroskopische Knorpelzelltransplantation (ACT mit NOVOCART® Inject): für große Defekte. In einer ersten Arthroskopie werden zwei kleine Knorpelstanzen aus nicht belasteten Bereichen entnommen, die Knorpelzellen werden im Labor rund drei Wochen vermehrt. In einem zweiten Eingriff, etwa drei bis vier Wochen später, wird der beschädigte Knorpelrest entfernt. Die körpereigenen Zellen werden zusammen mit einem Hydrogel über eine Kanüle eingebracht, bis der Defekt vollständig gefüllt ist. Daraus entwickelt sich ein stabiler, funktionsfähiger Gelenkknorpel.
- Offene Knorpelzelltransplantation (ACT mit NOVOCART® 3D): wenn der Knochen unter dem Knorpel beschädigt ist oder der Defekt keine Randfassung mehr hat. Die Knorpelzellen werden vor der Operation auf eine Matrix aus Kollagen aufgebracht, über einen kleinen offenen Zugang passgenau eingesetzt und am gesunden Gelenkknorpel angenäht.
Nachbehandlung nach einer Knorpeloperation
Die Nachbehandlung richtet sich nach dem Verfahren. Bei kleineren Knorpeldefekten ist eine ambulante Behandlung möglich. Nach einer Knorpelzelltransplantation empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt von zwei bis drei Tagen, die Physiotherapie beginnt bereits am ersten Tag nach der Operation.
Allen Verfahren gemeinsam ist die Entlastung an Unterarmgehstützen für sechs Wochen. Danach wird die Belastung kontinuierlich gesteigert und die Muskulatur gekräftigt, begleitet von ambulanter Physiotherapie. Empfehlenswert ist außerdem eine Bewegungstherapie auf der Bewegungsschiene, die zu Hause fortgesetzt wird. Bei Defekten hinter der Kniescheibe begrenzt anfangs eine Hartrahmenorthese die Beugung, mit der Belastung kann dort bereits nach etwa zwei Wochen begonnen werden.
Ziel der Behandlung
Ziel ist nicht nur eine kurzfristige Schmerzreduktion. Eine gute Behandlung soll Reizzustände kontrollieren, Belastbarkeit verbessern und das Gelenk langfristig schützen. Patientinnen und Patienten sollen verstehen, welche Belastungen sinnvoll sind, welche Risiken bestehen und welche Therapieoption realistisch zum Befund passt.



