Hinteres Kreuzband

Das hintere Kreuzband ist das wichtigste Band des Kniegelenks, welches verhindert, dass der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nach hinten rutscht. Im Gegensatz zum vorderen Kreuzband treten dessen Verletzungen relativ selten auf; dies hat allerdings die schwerwiegende Folge, dass Verletzungen sehr häufig übersehen werden bzw. unzureichend behandelt werden, wodurch es unweigerlich zu einer massiven Störung der Mechanik kommt.

Das Verletzungsbild gestaltet sich insofern, als dass es zu einem vollständigen Riss des hinteren Kreuzbandes; diese Verletzung zählt zu den schwersten Bandverletzungen des Kniegelenks.

Die Ursache hierfür liegt zumeist in einem direkten Anpralltrauma des oberen Schienbeins, welches häufig durch Motorrad- bzw. PKW-Unfälle indiziert wird. Jedoch führen auch sportliche Aktivitäten (zB. Fußballspielen, Skifahren bzw. Snowboarden) vermehrt zu Rissen des hinteren Kreuzbandes – in diesen Fällen geht jener Riss allerdings zumeist mit einer zusätzlichen Seitenband- und eventuell sogar vorderen Kreuzbandverletzung einher.

Welche Symptome treten bei Verletzungen des hinteren Kreuzbandes auf?

Die am häufigsten vorkommenden Symptome beschreiben Schmerzen als auch die Unfähigkeit, das Gelenk zu belasten. In der Regel kommt es weder zu einem ausgeprägten Gelenkerguss noch zu einer prallen Schwellung, da das Blut in die Kniekehle bzw. in den Unterschenkel abfließen kann. Nichtsdestotrotz klagen Patient_innen oft über einen Druckschmerz in der Kniekehle und bei rechtwinklig gebeugtem Knie sackt der Unterschenkel häufig deutlich nachhinten (hinteres Schubladenphänomen).

Welche Behandlungsmöglichkeiten können in Betracht gezogen werden?

Damit der Riss des hinteren Kreuzbandes sicher nachweisbar ist sowie lokalisiert werden kann, empfiehlt sich – abgesehen von den Standardröntgenaufnahmen – eine Kernspintomographie (MRT). Mittels dieser Technologie können überdies auch etwaige Begleitverletzungen ausgeschlossen werden.

  1. Konservative (nicht operative) Therapie:
    Da die operative Versorgung bzw. Rekonstruktion des hinteren Kreuzbandes nach wie vor äußerst anspruchsvoll ist und auch die postoperativen Ergebnisse oft keine 100%ige Wiederherstellung bringen, ist eine Operation im Einzelfall abzuwägen. Hinzu kommt, dass zahlreiche Patient_innen mit Verletzungen des hinteren Kreuzbandes eine ausreichende Kniefunktion aufweisen. In diesen Fällen erweist sich eine konservative Behandlung als zielführend.
  2. Operative Therapie:
    Bei einer ausgeprägten Instabilität mit Unsicherheitsgefühlen im Kniegelenk sollte eine operative Behandlung vorgenommen werden, wobei das gerissene hintere Kreuzband durch ein Transplantat, meistens in Form der Semitendinosus- oder Quadrizepssehne, ersetzt wird.

In welcher Form gestaltet sich die Nachbehandlung?

Es ist von primärer Bedeutsamkeit, das Knie im Rahmen der Rehabilitationsphase keinesfalls zu überlasten. Darüber hinaus sollten für das Knie belastende Sportarten erst nach vollständiger Ausheilung der Verletzung durchgeführt werden. Außerdem sollten starke Schwellungen im Bereich des Kniegelenks, des Unterschenkels und der Knöchelregion durch konsequentes Hochlagern bzw. häufige Muskelspannungsübungen vermieden werden.

Um den Heilungsprozess bestmöglich zu unterstützen, empfiehlt es sich, für einen Zeitraum von ca. sechs Wochen eine Knieschiene zu tragen sowie frühzeitig mit Bewegungsübungen (lt. physiotherapeutischer Anleitung) zu beginnen, damit eine Bewegungseinschränkung des Kniegelenks vermieden werden kann.

Dr. Rene Könighofer Graz

Dr. med. René Könighofer

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

In unserem Kompetenzzentrum für Schulter und Knie in Graz stehen Sie im Mittelpunkt. Deshalb sind jegliche Behandlungskonzepte individuell auf Sie zugeschnitten sowie an Ihrem aktuellen Krankheitszustand orientiert.
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