Vorderer Kreuzbandriss

Im Inneren des Kniegelenks liegen dessen zwei zentrale Hauptstabilisatoren: Das vordere und das hintere Kreuzband, welche sich in der sogenannten Kreuzbandgrube (Notch) begegnen. Ihre Zuständigkeit bezieht sich auf die Sicherstellung eines reibungslosen Bewegungsablaufs – auch im Falle starker Belastungen. Zudem schützen sie das Gelenk bei übermäßigen Beanspruchungen (zB. Verdrehung oder Überstreckung bzw. -beugung) im Zuge sportlicher Betätigungen.

Welche Symptome treten bei Kreuzband-Verletzungen auf?

Die am häufigsten vorkommenden Auffälligkeiten nach einem Unfall beschreiben Schwellungen, Bewegungseinschränkungen bzw. Schmerzen, als auch ein akuter Stabilitätsverlust. Darüber hinaus wird oft eine subjektive Unsicherheit des betroffenen Knies verzeichnet; dies resultiert in weiterer Folge darin, dass Patient_innen (sportliche) Aktivitäten nicht mehr im gewohnten Maße ausführen können.

Welche Behandlungsmöglichkeiten können in Betracht gezogen werden?

Die akute Behandlung ist auch unter der PECH-Regel bekannt:

  • Pause: Körperliche Aktivität sofort beenden und das betroffene Körperteil ruhigstellen
  • Eis: Kälteanwendungen vermindern Blutungen bzw. Schwellungen
  • Compression: Kompressionsverbände wirken dem Auftreten von Schwellungen entgegen
  • Hochlagerung: Die Blutzufuhr wird verringert und die Flüssigkeit, welche aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe austreten kann, wird schneller abtransportiert

Im Allgemeinen können die Betroffenen mittels konservativer bzw. operativer Therapieformen behandelt werden. Diese sollen nun nachstehend näher erläutert werden:

  1. Konservative (nicht operative) Therapie:
    Diese Methode ist so zu verstehen, als dass mittels einer speziellen Physiotherapie als auch unter Einbeziehung von diversen Hilfsmitteln wie in Etwa Bandagen oder Orthesen die Kniegelenksstabilität wieder ausreichend hergestellt wird. Oft mündet diese Behandlung konsequenterweise in der Inkaufnahme einer Reduzierung der körperlichen bzw. sportlichen Aktivität.
  2. Operative Therapie:
    Hiermit ist gemeint, dass das gerissene Kreuzband entweder zur Heilung stimuliert und dadurch erhalten werden kann, oder es durch eine körpereigene Sehne ersetzt wird. Eine Operation wird vor allem dann empfohlen, wenn einer oder mehrere folgender Faktoren eintreten:
    – Es liegt eine subjektive Instabilität vor
    – Es soll ein hoher funktioneller Anspruch in Sport oder Beruf erfüllt werden bzw. das Aktivitätsniveau nach dem Unfall muss jenem vor dem Unfall entsprechen
    – Die konservative Methode blieb erfolgslos
    – Neben dem Kreuzbandriss treten Begleitverletzungen auf (zB. Verletzungen des Innen- oder Außenmeniskus bzw. des Knorpels)Dem Alter ist hier keine primäre Rolle zuzuschreiben; die genannten Kriterien gelten ebenso für ältere Patient_innen, die im Alltag bzw. im Sport wieder aktiv sein möchten.
    Die Operation an sich gestaltet sich insofern, als dass im Zuge einer diagnostischen Arthroskopie das gesamte Kniegelenk inspiziert wird, um auf diese Weise sowohl mögliche Begleitverletzungen zu erkennen bzw. zu behandeln als auch, um die konkrete Art des Kreuzbandrisses festzustellen. Erlitt das Kreuzband einen Riss in dessen Mitte, so wird die Methode der Ersatzoperation gewählt. Dies bedeutet, dass dem verletzten Kniegelenk eine körpereigene Sehne entnommen wird, welche daraufhin so präpariert wird, dass sie exakt an die Stelle des gerissenen Kreuzbandes passt. In Ausnahmefällen sowie innerhalb einer kurzen Zeitspanne nach der Verletzung kann das Kreuzband auch erhalten werden. Allerdings tritt jene Option nur ein, wenn dieses direkt am Knochen abgerissen ist und weitgehend unbeschadet blieb.
    Jegliche OP-Schritte im Gelenk laufen arthroskopisch – dh., mittels Mini-Hautschnitte sowie Kameratechnik – ab.

In welcher Form gestaltet sich die Nachbehandlung?

Nach einem ca. dreitägigen Krankenhausaufenthalt wird das sechs bis achtdreiwöchige Verwenden von Krücken als auch das Tragen einer speziellen Kniegelenksschiene für sechs Wochen empfohlen, um das betroffene Gelenk bestmöglich zu schonen. Als Ziel sollte angestrebt werden, nach ungefähr drei Monaten Standfahrrad, nach 6 Monaten leichtes Joggen in Erwägung zu ziehen, um schließlich nach ca. neun Monaten zum gewohnten Sport zurückkehren zu können. In dieser Zeit ist es wichtig, den Fokus auf eine intensive Physiotherapie zu legen, welche ihren Schwerpunkt in einem ganzheitlichen Koordinationstraining sieht. Während ebenjenes Prozesses kann der Zustand des Knies gut mittels spezieller Tests eruiert werden, welche daraufhin als Basis für die Definition neuer bzw. weiterführender Trainingsinhalte dienen.

Dr. Rene Könighofer Graz

Dr. med. René Könighofer

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

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